Wirtschaft

Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges war die bulgarische Wirtschaft hauptsächlich durch die Landwirtschaft geprägt. Erst nach der Machtübernahme durch die Kommunisten wurde mit einer gezielten Industrialisierung des Landes begonnen. Schwerpunkte wurden dabei auf die Bereiche Maschinenbau, Stahl, Chemie und Atomenergie gelegt. Wie andere Staaten der GUS und des ehemaligen Ostblocks hat auch Bulgarien mit den typischen wirtschaftlichen Problemen eines Transformationslandes zu kämpfen. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks 1989 lösten sich schlagartig die sozialistischen Wirtschaftsstrukturen auf.

Heute zeugen zahlreiche Industrieruinen von einer fehlgeschlagenen Industrialisierungspolitik: Produktionsanlagen und -methoden der Industrie wie auch der Landwirtschaft sind überholt und veraltet. In den letzten Jahren jedoch gewinnt die mittelständische Wirtschaft immer mehr an Bedeutung. Die Politik bemüht sich um die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für die Entwicklung von Mittelstand und Handwerk, die imstande sind, die Wirtschaft anzukurbeln und gegen die Arbeitslosigkeit durch Schaffung von Arbeitsplätzen anzukämpfen. Die beim Ministerrat angesiedelte Agentur für kleine und mittlere Unternehmen steht in ständigem Kontakt zu den nach der Wende entstandenen Wirtschaftsverbänden und Kammern, welche den Mittelstand und seine Interessen vertreten.

Während dieser Zeit wurden aber auch wichtige gesetzliche Instrumentarien für eine freie Marktwirtschaft geschaffen, vor allem das Handelsgesetz für die Liberalisierung des Außenhandels und des Devisenregimes, sowie gesetzliche Grundlagen für die Privatisierung und ausländische Investitionen.

Bis in die zweite Hälfte der 90er Jahre versuchte man, den Härten des unumgänglichen Strukturwandels durch das Aufschieben und Verwässern der notwendigen Reformen auszuweichen. Dies führte 1996 in eine Hyperinflation und eine schwere Wirtschafts- und Bankenkrise. Erst die Regierung Kostow leitete ab 1997 einschneidende Reformschritte ein. Mit Einführung eines Währungsrates (Bindung der Lewa an die DM) und der Konsolidierung der Staatsfinanzen wurde die Hyperinflation beendet. Die Durchführung weitreichender struktureller Reformen und die Privatisierung der staatlichen Unternehmen bilden seitdem die Grundlage für eine enge Zusammenarbeit mit dem IWF (1998 wurde ein Drei-Jahresabkommen vereinbart) und der Weltbank, wodurch eine makroökonomische Stabilisierung Bulgariens erreicht werden konnte.

Seit 1998 werden in der bulgarischen Volkswirtschaft wieder Wachstumsraten verzeichnet: 1998 betrug das Wachstum 3,5 Prozent und 1999 2,5 Prozent. Aus den für das Jahr 2000 prognostizierten 4 Prozent Wirtschaftswachstum wurden 5,8 Prozent. Der Anteil der durch die 1992 eingeleitete Privatisierung entstandenen privaten Unternehmen an der wirtschaftlichen Leistung wird inzwischen auf zwei Drittel geschätzt.

Durch die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation beginnen immer mehr ausländische Investoren sich für Bulgarien zu interessieren. Zwischen 1992 und 1998 betrug das Investitionsvolumen ausländischer Unternehmen gute 2 Milliarden US Dollar. Mehr als 50 Prozent davon betrafen den Industriesektor, zunehmend fließen ausländische Gelder auch in den Tourismus. Die Prognosen für diese Branche sind aufgrund der guten Wintersportmöglichkeiten, der Badestrände am Schwarzen Meer und der vielen Natur- und Kunstschätze Bulgariens langfristig positiv.

Nach der Aufnahme der EU-Beitrittsverhandlungen stellt sich vor allem die Frage, ob und wann Bulgarien dem Wettbewerbsdruck innerhalb der EU standhalten kann. Zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der bulgarischen Wirtschaft sind verstärkt in- und ausländische Investitionen erforderlich, insbesondere als dass der Umfang ausländischer Direktinvestitionen bislang im Vergleich zu anderen EU-Beitrittskandidaten gering ist. Die EU unterstützt Bulgarien mit umfangreichen Beitrittshilfen in Höhe von jährlich ca. 250 Mio. Euro zusammen mit den Unterstützungsprogrammen der bi- und multilateralen Geber- und Finanzinstitutionen (u.a. Weltbank, EBRD und EIB), womit die Voraussetzungen für einen nachhaltigen Aufschwung geschaffen werden sollen.