Kultur

Welt-Kulturerbe

Sieben bedeutende Orte Bulgariens sind im Register der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Die Entscheidung, eine Konvention für den Schutz der Welt zu begründen, die das natürliche und historische Erbe der Menschheit schützen soll, wurde bei der Vollversammlung der UNESCO im Jahr 1972 getroffen. Bulgarien ist eins von den 20 Gründungsmitgliedern dieser Konvention. Heute beteiligen sich am Programm des Weltkulturerbes und des Weltnaturerbes 188 Länder.

Die Altstadt von Nesebyr

Auf einer Halbinsel im Schwarzen Meer errichtet, die mit dem Festland durch eine schmale Landenge verbunden ist, stellt Nesebyr eine Stadt mit einer mehr als 2000 Jahre zurückreichenden Geschichte dar. Jede Ära hat ihre bleibenden Andenken hinterlassen und macht die Stadt einmalig. Die Stadt kann als ein riesiges Museum betrachtet werden, welches die Lebensstile der Menschen konserviert, die hier in den Jahrtausenden von Jahren gewohnt haben. Auf der kleinen Fläche der Halbinsel präsentieren sich Reste thrakischer Zeiten ebenso wie Verteidigungsbauten und öffentliche Gebäude aus hellenischer Zeit, als auch mittelalterliche Kirchen und Gebäude der bulgarischen Renaissance, welche eine einmalige Atmosphäre schaffen.

Die Kirchen Nesbyrs wurden während der frühen byzantinischen Periode von 5. bis zum 6. Jahrhundert und während des Mittelalters vom 10. bis zum 14. Jahrhundert gebaut. Die ältesten von ihnen sind die Basiliken mit einem kreuzförmigen Mittelschiff. Wandgemälde aus dem 14. bis 18. Jahrhundert mit einem außergewöhnlichen historischen und künstlerischen Wert zeigen die Traditionen und die hohe Kunst der Handwerker und Ikonenmaler dieser Zeit.

Die Altstadt von Nesebyr wurde im Jahr 1983 in das Weltkulturerbe aufgenommen. Nahe der Stadt liegt der berühmte Badestrand Slynchev Brjag.

Das Mönchskloster Ivanovo

Dieses Gebiet besitzt eine Anzahl mittelalterlicher Kirchen, Mönchszellen und Kapellen, die beiderseits des Flusses Lom in den Fels geschlagen wurden. Eine Kolonie von Einsiedlern lebte hier vom 3. bis zum 17. Jahrhundert. Die natürlichen Höhlen in den Karstfelsen wurden verbreitert und ausgeformt, um den Bedürfnissen der Mönche zu entsprechen. Die Kammern liegen in einer Höhe von 6 bis 10 Meter und sind durch Treppen, Durchgänge und Galerien miteinander verbunden.

Auf den Mauern finden sich Bilder biblischer Themen und Zusammenstellungen mit vielen Figuren. Die teilweise erhaltenen Freskogemälde legen Zeugnis ab von den bemerkenswerten Leistungen der bulgarischen mittelalterlichen Kunstschule. Die übrigen Schriften betonen die Bedeutung der literarischen Schule, die sich in diesem Gebiet entwickelte. Die Mönchsklöster wurden 1979 ins Weltkulturerbe aufgenommen.

Kirche bei Bojana - Sofia

Die am Fuß des Berges Vitosha errichtete Kirche ist eine der wichtigsten und wertvollsten Altertümer historischer und künstlerischer Bedeutung Bulgariens. Der älteste Teil der Kirche stammt einem Manuskript zufolge aus dem 11. Jahrhundert; im Jahr 1295 wurde das zweite Stockwerk der Kirche gebaut, das übrige Gebäude vervollständigte man in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Der interessanteste Teil des Monumentes sind die Wandgemälde aus dem Jahr 1259. Der Künstler hat die Anforderungen des ikonographischen Kanons geschickt mit Szenen aus dem wirklichen Leben kombiniert. Insgesamt werden 89 Szenen dargestellt, auf denen 240 Menschen abgebildet sind - eine Kunstgalerie des 13. Jahrhunderts. Die Porträts des Gründers der Kirche Patron Kalojan und seiner Frau Desislava sowie des Prinzen Konstantin und seiner Frau Irina stellen den Höhepunkt der Fähigkeiten des Künstlers dar. Das Monument wurde 1979 in die Liste der Weltkulturerben aufgenommen.

Der Reiter von Madara

Das Relief wurde in einen mehr als 100 m über einem Fluß liegenden Hang gehauen und stellt einen Reiter in Lebensgröße dar, dem ein Hund folgt. Ein sterbender Löwe liegt vor den Füßen des Pferdes. Insgesamt bedeckt das Relief eine Fläche von 23 qm. Griechische Inschriften um die Figur erzählen von bulgarischen Herrschern und wichtigen Ereignissen.

Dieses Monument datiert aus dem 8. bis 9. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Es gilt als einmaliges Symbol des jungen Bulgarien. Die realistische Darstellung ohne unnötige Details zeigt die frühe bulgarische mittelalterliche Kunst. Seit 1979 ist der Reiter von Madara im Weltkulturerbe aufgeführt.

Das Kloster Rila

Dieses Mönchskloster ist eine heilige Stelle für alle Bulgaren, denn es bewahrte ihren Stolz, ihre nationale Identität, den Glauben und die Hoffnung durch die Jahrhunderte der osmanischen Besetzung. Es wurde im 10. Jahrhundert von den Schülern des heiligen bulgarischen Einsiedlers Ivan Rilski gegründet.

Das Kloster, in dem durch die Jahrhunderte hindurch intensive geistige, pädagogische und kreative Aktivitäten florierten, ist eines der bedeutendsten kulturellen Zentren Bulgariens. Es stand mit geistigen Zentren im Ausland in enger Verbindung. Nach einem verwüstenden Feuer wurde das Mönchskloster Anfang des 19. Jahrhunderts vollständig wiederaufgebaut; womit es das größte Monument der Wiedergeburtsarchitektur in Bulgarien ist. Als eine architektonische und künstlerische Zusammenstellung von enormen Dimensionen, stellt es einen Höhepunkt der Arbeit von Handwerkern, Ikonenmalern und Holzschnitzern dieser Epoche dar. Der Verteidigungsturm von Hrelyo aus dem 14. Jahrhundert steht im Innenhof des Klosters. Das Mönchskloster wird heute noch bewohnt und beinhaltet eine prächtige Bibliothek sowie ein historisches Museum. Die Kirche des Klosters wurde von den berühmtesten Vertretern der bulgarischen künstlerischen „Schule der Wiedergeburt“ ausgemalt. Das Mönchskloster Rila wurde 1983 ins Weltkulturerbe aufgenommen.

Das thrakische Grabmal

Das Grabmal, als eines der berühmtesten Monumente thrakischer Kultur und im Unesco-Weltregister seit 1979 eingeschlossen, wurde im Jahr 1944 entdeckt. Die Entstehung wird auf das späte 4. und frühe 3. Jahrhundert v. Christus datiert. Weltberühmt ist die Gruft für ihre einmaligen Wandgemälde. Die Fresken bedecken eine Fläche von 40 Quadratmetern und führen den Besucher zurück in die Zeit ihrer Entstehung. Auf den Bildern mit großer Dynamik und Detailtreue sind Kämpfe und Szenen des alltäglichen Lebens dargestellt. Die Szenen der Begräbnisprozession, Musiker, der thrakische Herrscher und seine Frau, Streitwagen, Pferde und andere Darstellungen geben dem Betrachter ein realistisches Abbild des damaligen Lebens.

In der Nähe des Grabmals ist eine exakte Kopie zur Ansicht für Touristen gebaut worden, um das Original vor den Einflüssen durch Atemluft und Vandalismus zu schützen. Ein weiteres Grabmal etwas jüngeren Entstehungsdatums wird im Weltkulturerbe seit 1985 eingeschlossen. Es besteht aus drei Kammern - einer Eingangskammer und zwei Vorzimmern, welche durch einen Hügel abgedeckt werden. Die Dekoration der Grabkammer ist außergewöhnlich interessant, insbesondere als dass sie eine einmalige Mischung aus Kunst und Architektur darstellt.

Bulgarische Kunst

Die Kunst in Bulgarien entwickelte sich als Fortsetzung der künstlerischen Traditionen von Thrakern, Proto-Bulgaren und Slawen. Man setzt die Gründung des ersten bulgarischen Staates in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts als Ausgangspunkt des ersten Auftauchens bulgarischer Kunst.

Während der Entwicklung der eigenen Kunst konnten die Menschen der damaligen Zeit aus einem reichen Kulturerbe schöpfen. In den Jahren der osmanischen Herrschaft vom 14. bis 19. Jahrhundert vereinte die Kunst die Nation und bewahrte sie vor dem Vergessen überlieferter Traditionen und Bräuche. Kunst und Handwerk erreichten ihren Höhepunkt in der Zeit der Nationalen Wiedergeburt (18. - 19. Jahrhundert).

Ihren akustischen Ausdruck fand die bulgarische Kultur in der großen Menge (rund 70.000) an Volksliedern. Auch die Art zu singen ist einzigartig, weltberühmt sind die bulgarischen Frauenstimmen.

Als handwerkliches Geheimnis wurde über Jahrhunderte hinweg die Kunst des Töpferns von Tongefäßen und Keramik weitergegeben. Insbesondere die Töpferwaren besaßen eine identitätsstiftende Wirkung in den Zeiten, als die Bulgaren keinen eigenen Staat hatten.

Volkslieder

Lieder haben während der Arbeitstage und Ferien, in Perioden historischer Bedeutung, in Zeiten von Freude und Trauer in Bulgarien eine besonders große Bedeutung. So gibt es für alle Anlässe Lieder, die gerne gesungen werden.
Das kennzeichnende Merkmal des bulgarischen Volksliedes ist, dass es hauptsächlich homophon ist, auch wenn zwei Gruppen singen: Wenn sie sich im Singen abwechseln, folgt die eine der anderen. Die Bulgaren haben eine Vorliebe für das Rezitativ, Lieder, die den Charakter der traditionellen und epischen Heiducken-Lieder (Heiducken = Widerstandskämpfer gegen die osmanische Besatzung) hauptsächlich ausmachen. Die bulgarischen Stimmen geben den Wissenschaftlern Rätsel auf. Experten bemühen sich, die unglaubliche Auswahl bulgarischer Stimmen und die Vielfalt an Liedern, welche ihre Wurzeln in den Rhodopen haben, zu erklären.

Ein bulgarisches Lied fliegt auf der Langspielplatte mit, die mit der Jupitersonde Voyager ins All geschossen wurde. Ende der 80er Jahre wurde das "Trio Bulgarka" im Zuge der World-Music-Welle einem größeren Publikum bekannt. Die britische Musikerin und Sängerin Kate Bush hat mit den Bulgarischen Stimmen einige Jahre lang zusammengearbeitet, ebenso wie sie auf ihrem 1985 erschienen Album "The ninth wave" ein georgisches Volkslied - Tsintskaro - verwendet hat.

Töpferkunst

In der Antike war die Arbeit des Töpferns ein Werk, bei dem Leben in rauhes Material gebracht werden mußte, bevor man den Ton überhaupt bearbeiten konnte. Dies könnte auch der Grund sein, warum in den Mythologien vieler Völker (Indien, Ägypten, Mesopotamien) der Töpfer ein Gott oder ein Held ist, der Menschen aus Ton und Wasser schafft. Dieser Mythos ist ebenfalls Teil der biblischen Legende von der Schaffung der Welt und ähnlich dem Glauben an die magische Macht des Schmiedes, der mit dem Reinigen von Macht durch Feuer arbeitet. Bulgarischer Mythologie zufolge ist die Arbeit des Töpfers heilig, die Geheimnisse des Handwerks werden von jeder Familie eifersüchtig gewahrt.

Erst im 18. und 19. Jahrhundert brach man diese Regel und ließ auch Menschen außerhalb der angestammten Zunft dieses Handwerk lernen. Die Bulgaren waren früher der Meinung, dass man, um die Kunst des Töpferns zu lernen, nicht nur enthusiastisch und fleißig sein mußte, sondern auch den Segen eines Gottes brauchte - und vielleicht ist das der Grund, warum Keramiken zu den besten Produkten des Kunsthandwerks gehören.

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts gab es mehrere wichtigere Zentren für die Produktion von Töpferwaren. In der Mitte des Jahrhunderts erreichte das Handwerk seinen Zenit in den Städten Trojan, Gabrovo, Berkovica, Razlog, Ajtos, Chiprovci, dem Dorf Businci und in der Region Sofia. Es gab einen gut organisierten Markt, der zu Wechselwirkungen von Techniken und dekorativen Prinzipien führte. Einige Regionen behielten ihre bestimmten Vorlieben für Form, Dekoration und Farbe jedoch bei.

Die typische Form bulgarischer Töpferwaren ist der Krug mit einem verlängerten Hals, seine Spitze wurde gelb und grün bemalt. Auch flache Weinbrand-Flaschen sind typisch für die bulgarische Töpferei.

Berühmte Bulgaren

Zu den berühmten bulgarischen Künstlern zählen die Opernsänger Ana Tomova-Sintow, Rayna Kabaivanska, Boris Hristov und Boris Gyaurov. Der Konzertpianist Alexis Weissenberg hat einen großen Teil seines Lebens in Bulgarien verbracht und der Prof. Mincho Minchev unterrichtet Geige an der Hochschule für Musik in Essen. Die sehr populäre französische Sängerin Sylvi Vartan ist gebürtige Bulgarin, ebenso der bildende Künstler Christo. Elias Canetti, Nobelpreisträger für Literatur, ist in Rousse (Nord-Bulgarien) geboren und hat dort bis zu seiner Auswanderung gelebt.