Geschichte

Erstes bulgarisches Reich unter Khan Asparuch (681-1018)

Im Jahr 864 nimmt Boris I das Christentum an

Bulgarien unter byzantinischer Herrschaft (1018 - 1185)

Gegen Ende der Regierungszeit von Zar Simeons Sohn Peter, der von 927 bis 970 herrschte, ging die politische und militärische Bedeutung Bulgariens zurück. In dieser dunklen Zeit des Mittelalters begannen sich christliche Bewegungen wie die Bogumilen auszubreiten, die bald als Ketzer verfolgt wurden. Der Einfluß dieser Bewegungen reichte über das byzantinische Reich hinaus bis nach Serbien, Bosnien und Rußland. Im Westen wurden die geistesverwandten Katharer und Albigenser von der katholischen Kirche verfolgt und zu Zehntausenden gefoltert und getötet.
Im Jahr 971 wurde die bulgarische Hauptstadt Preslav von den Soldaten des byzantinischen Kaisers Johannes Tzimisces erobert. In Makedonien rief sich Samuil zum Zaren von Bulgarien aus und wählte Ohrid als seine Hauptstadt. Ein langer Krieg Zar Samuils gegen Byzanz endete 1014 schließlich mit einer Niederlage für die Bulgaren. Byzanz nahm 14.000 Soldaten als Kriegsgefangene. Kaiser Basil II. ließ sie blenden, was ihm den Namen "Bulgaroktonos" einbrachte - dies bedeutet "Bulgarenschlächter". 1018 wurde die bulgarische Hauptstadt Ohrid von der byzantinischen Armee eingenommen. Damit war das Ende des ersten bulgarischen Staates besiegelt.

Der zweite bulgarische Staat (1186 - 1396)

Die Vorherrschaft von Byzanz währte jedoch nicht lange. 1185 zettelten die beiden bulgarischen adligen Brüder Asen und Peter einen Aufstand gegen die byzantinische Herrschaft an. Das Zentrum des Aufstandes war die Stadt "Veliko Tyrnovo" im nördlichen Bulgarien. Der byzantinische Kaiser Isaak II. Angelos versuchte vergeblich, den Aufstand niederzuschlagen, welcher sich über ein großes Gebiet, das auch Makedonien mit einschloß, ausbreitete.
Eine glückliche Fügung für die Aufständischen war die Tatsache, daß ausgerechnet zur Zeit des Aufstandes die Truppen des Dritten Kreuzzuges durch die bulgarischen Länder kamen. So unterschrieb im Jahr 1187 der byzantinische Kaiser einen Waffenstillstand mit Asen und Peter und erkannte so den wiederhergestellten bulgarischen Staat formell an, dessen Oberhaupt Asen wurde. Er verkündete (Veliko) Tyrnovo als neue Hauptstadt Bulgariens. Während der Herrschaft seines Bruders Kalojan wurde Bulgarien durch den vierten Kreuzzug gefährdet.
Im Frühling 1204 fielen die Kämpfer des vierten Kreuzzuges in Konstantinopel ein. Ein Teil von ihnen, der von Balduin von Flandern angeführt wurde, drang nach Ost-Thrakien ein. Er schlug Kalojans Angebot zum Friedensschluß aus, wobei im folgenden Kampf bei Adrianopel (heute: Edirne) am 14. April 1205 die Kreuzfahrer geschlagen, und Balduin selbst in Tyrnovo gefangen genommen werden konnte.
Unter Ivan Asen II. (1218 - 1241) führte Bulgarien siegreiche Kriege gegen die Lateiner im Osten, Byzanz im Süden, und die Magyaren im Westen. Als Ergebnis konnten gewaltige Gebiete unter bulgarische Herrschaft gebracht werden; der Staat dehnte sich bis zum Olymp im nördlichen Griechenland aus. Auch Makedonien und Albanien waren Teil des Staatsgebietes. Bulgarien wurde der größte Staat im südöstlichen Europa.
Doch im späten 13. Jahrhundert geriet Bulgarien durch wiederkehrende Kriege mit den benachbarten Staaten in eine schwere politische Krise. Die Situation wurde für die Menschen unerträglich; da sie nicht nur ein durch den eigenen Staat unterdrücktes Volk, sondern auch Opfer der Zerstörung durch die Tataren waren. Dies mündete in dem Aufstand von Ivajlo, der als einfacher Bauer im Jahr 1277 erfolgreich den königlichen Thron erstürmen konnte und die Witwe des getöteten Monarchen heiratete.
In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts litt Bulgarien unter zwei sich gegenseitig bekriegenden Feudalherrschern. Zar Ivan Alexander hatte den Staat zwischen seinen beiden Söhnen Ivan Sracimir und Ivan Shishman aufgeteilt. Der erste herrschte im Nordwesten Bulgariens mit der Hauptstadt Vidin, und der andere im zentralen, nördlichen und südlichen Bulgarien mit der Hauptstadt Veliko Tyrnovo. Neben ihnen gab es mehrere unabhängige Herrscher, die ihre Macht über andere Teile Bulgariens ausübten.
Die Situation in den anderen Staaten des Balkans war ähnlich. Politisch zerstört war Bulgarien eine leichte Beute für die türkischen Eroberer, dessen Untergang als orthodoxer Staat das katholische Europa mit einer gewissen Befriedigung sah. Im Jahr 1352 überquerten die Türken die Dardanellen und begannen den Balkan zu erobern. Im Jahr 1396 schließlich fiel Bulgarien endgültig unter türkische Herrschaft, womit auch das Ende des zweiten bulgarischen Staates besiegelt war.

Bulgarien unter osmanischer Herrschaft (1396 - 1878)

Die türkische Besatzung Bulgariens wird heute als "die düsterste Periode" in der Geschichte des Landes bezeichnet. Dieser Zeitraum fremder Herrschaft währte 482 Jahre - in dieser Zeit wurde den Bulgaren der eigene Staat verweigert und das Land ausgeplündert. Die bulgarische Bevölkerung wurde Opfer von Gewalt und Brutalität der Besatzer, die Menschen wurden von ihrem Land vertrieben und in die Sklaverei verkauft. Städte und Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht, die Bevölkerung ganzer Gebiete gezwungen, in den Bergen Zuflucht zu suchen.
Das türkische Militär entriß Kinder ihren Familien und stockte damit zum einen das Heer auf, zum anderen wurden die jungen Menschen zwangsweise zu Moslems gemacht. Das christliche Kulturgut wurde von den Mohammedanern geplündert und zerstört. In all diesen Jahren kam es wiederholt zu Aufständen, die von den türkischen Besatzern grausam und blutig niedergeschlagen wurden. Die Bulgaren erlebten diese Zeit als fremdbestimmt und konnten sich mit den Besatzern nicht anfreunden. Auf der kulturellen und wirtschaftlichen Ebene bedeutete die Besatzung für Bulgarien einen Rückschritt. Während das westliche Europa in die Renaissance eintrat, verblieb Bulgarien im Mittelalter.

Neuzeit

Die türkische Besatzung währte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, nach deren Beendigung Bulgarien eine kurze Hochzeit erlebte. Das 20. Jahrhundert brachte neben den beiden Weltkriegen auch die kommunistische Herrschaft. Seit 1989 ist Bulgarien wieder ein vom Sowjetsystem unabhängiger Staat und nähert sich dem Westen an.

Die Auferstehung Bulgariens

Im frühen 18. Jahrhundert begann sich eine Bewegung zur nationalen Wiederbelebung Bulgariens zu entwickeln. Diese mußte unter den Bedingungen der türkischen Besatzung arbeiten und zielte auf die nationale Befreiung Bulgariens ab. Eine der herausragenden Persönlichkeiten der nationalen Befreiungsbewegung in Bulgarien war Paisij von Hilendar, ein Mönch aus den Klöstern Zograph und Hilendar vom Heiligen Berg Athos in Griechenland, der 1762 ein Buch über die slawisch-bulgarische Geschichte verfaßte. Darin berichtete er mit einem Gefühl nationalen Stolzes über die herrliche Vergangenheit Bulgariens als unabhängiger Staat. Zur gleichen Zeit enthüllte er die schwierige Situation der Menschen unter der Herrschaft der türkischen Eroberer und des Patriarchats von Konstantinopel. Paisij von Hilendar definierte die Ziele der nationalen Wiederbelebung: Eine unabhängige bulgarische Kirche und die nationale Befreiung.
Die slawisch-bulgarische Geschichte von Paisij von Hilendar hatte eine mächtige Auswirkung auf die Bulgaren. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Kampf für eine unabhängige bulgarische Kirche verstärkt, indem viele Priester es ablehnten, den griechischen Bischöfen zu gehorchen, die vom Patriarchat in Konstantinopel für die bulgarischen Städte ernannt worden waren. In vielen Kirchen wurde der Gottesdienst nun auf bulgarisch statt auf griechisch abgehalten. Schließlich erfüllte die türkische Zentralmacht einen der Wünsche der Bulgaren und beugte sich der Forderung nach Unabhängigkeit für die bulgarische Kirche. Im Februar 1870 wurde ein Dekret zur Einrichtung eines unabhängigen bulgarischen Exarchats erlassen. Das Exarchat schloß die Diözesen mit vorwiegend bulgarischer Bevölkerung ein. Auf diese Art erreichten die Bulgaren die nationale Vereinigung vor der politischen Befreiung innerhalb des Gerüstes eines bulgarischen Exarchats.


Vor der nationalen Revolution

Einer der ersten Organisatoren des Befreiungskampfes gegen Ende des 19. Jahrhunderts war Georgi Stoikov Rakovski. Er war der Organisator der ersten und zweiten bulgarischen Legionen in Belgrad als Teil der sogenannten "Abtrennungstaktiken" im Befreiungskampf. Zu den ersten bewaffneten Konflikten kam es in Bulgarien in den Jahren 1867 und 1868. Die Taktik erwies sich jedoch als nicht erfolgreich.
Vasil Levski entwickelte die Idee eines bewaffneten Volksaufstandes. Sein Ziel war die Bekämpfung von Tyrannei und Unmenschlichkeit. Nach seiner Ansicht sollten in einem befreiten Bulgarien alle Völker die gleichen Rechte haben. Er reiste über Land und versuchte seit 1868 die Menschen von seiner Idee zu überzeugen. Ende 1872 wurde Levski von den türkischen Behörden gefangen genommen. Man brachte ihn nach Sofia und stellte ihn vor ein Sondergericht. Er wurde zum Tode verurteilt und außerhalb Sofias am 18. Februar 1873 gehängt.
Die Idee der nationalen Wiederbelebung lebte aber fort. Der große bulgarische Dichter Hristo Botev verklärte Levskis Tod als Urteil einer "schrecklichen Macht" und zeigte Wege zur Wiedererlangung der ersehnten Freiheit auf. Er drückte seine Ideen in seinen Gedichten, Artikeln und Feuilletons aus, die in Zeitungen der Exilanten veröffentlicht wurden. Botev nahm, als Anführer einer Abteilung von 200 Männern, aktiv am Aprilaufstand teil. Er starb am 1. Juni 1876 durch eine Kugel.

Der Aprilaufstand

Am 20. April 1876 kam es zu einem Aufstand gegen die türkische Herrschaft. Anführer des Aufstandes war Georgi Benkovski, der in den Jahren zuvor Menschen in einem revolutionären Umfeld um sich gesammelt hatte. Der Aufstand wurde von der Region Plovdiv aus mit dem Zentrum in Panagjurishte organisiert.
Nach zwei Wochen wilder Kämpfe wurden die Aufständischen durch das zahlenmäßig überlegene und besser ausgestattete türkische Militär sowie paramilitärische türkische Truppen besiegt. Der Aufstand wurde mit schrecklicher Grausamkeit niedergeworfen, wobei 30.000 Menschen ihr Leben verloren. Die türkischen Truppen richteten furchtbare Massaker unter der bulgarischen Bevölkerung an - alleine in der Stadt Batak wurden 5000 Bulgaren ermordet, unter ihnen viele Frauen und Kinder.
Die Brutalität, mit der dieser Aprilaufstand im Blut erstickt wurde, hatte jedoch Folgen und weckte in vielen europäischen Ländern Entrüstung und Proteste.

Der russisch-türkische Krieg und die Befreiung Bulgariens

Die Ereignisse in Bulgarien riefen eine große Empörung in Rußland hervor, woraufhin die Bulgaren ihre Hoffnungen auf eine Befreiung nach dem Mißerfolg des Aprilaufstandes nicht aufgaben. In Aufrufen wurde die tragische Notlage der bulgarischen Bevölkerung beschrieben und um russische Militärhilfe gebeten. Diese Appelle gingen an die Vertreter des öffentlichen Lebens, hochrangige Militärs und den Zaren.
Eine Botschafterkonferenz in Konstantinopel Ende 1876 sollte die sogenannte Ostfrage durch Verhandlungen beilegen, endete jedoch ohne nennenswerte Erfolge. Daraufhin erklärte der russische Zar Alexander II. am 24. April 1877 der Türkei den Krieg. Die Erklärung des russisch-türkischen Krieges empfing die bulgarische Bevölkerung im osmanischen Reich mit Begeisterung. Von den bulgarischen Auswanderern im Ausland stellten sich Hunderte Freiwillige zur Verfügung, versammelten sich in Kischinew und bildeten das bulgarische Freiwillige Korps mit 7.000 Mann. Sie nahmen an den entscheidenden Kämpfen bei Stara Zagora teil, in Pleven und an der Verteidigung des Shipka-Passes, wo die Entscheidung des Krieges herbeigeführt wurde. Die russischen Streitkräfte überquerten die Donau bei Svishtov. Trotz des schweren Winters überquerte die russische Armee den Balkan und befreite Sofia. Nun zogen die Streitkräfte nach Süden weiter und besiegten schließlich die türkische Armee.
Dieser Krieg kostete 200.000 russische, finnische und rumänische Soldaten wie Offiziere das Leben. Am 3. März 1878 wurde in der kleinen Stadt San Stefano der Friedensvertrag zwischen Rußland und der Türkei unterzeichnet. Dieser Vertrag hatte zwar historischen, jedoch nicht rechtlichen Wert und legte fest, daß Bulgarien die Länder einschließen sollte, in denen die Mehrheit der Bevölkerung von der Botschafterkonferenz in Konstantinopel als bulgarisch anerkannt worden war. Bulgarien bestand nun aus den nördlichen und südlichen Landesteilen und einigen Teilen von Makedonien.
Auf dem Berliner Kongress im Juli 1878 forderte man die Schaffung eines großen unabhängigen Staates im Zentrum des Balkans und änderte den Vertrag von San Stefano. Das Territorium von Bulgarien wurde neu aufgeteilt. Der südliche Landesteil verblieb unter türkischem Einfluß und wurde zur autonomen Region Ost-Rumelien. Am 17. April 1879 wählte die Große Nationale Versammlung den deutschen Prinzen Alexander Battenberg zum Prinzen von Bulgarien. Damit war die Eigenständigkeit wieder hergestellt.
Im Jahr 1879 trat die erste Verfassung Bulgariens in Kraft. Diese war eine der demokratischsten Verfassungen ihrer Zeit.

Die endgültige Vereinigung

Die Bulgaren konnten sich mit der Aufteilung ihres Landes durch den Berliner Kongress nicht abfinden, woraufhin eine bewaffnete Bewegung zur Wiedervereinigung gegründet wurde. Am 6. September 1885 verhafteten Einheiten der rumelischen Armee und eine Gruppe bewaffneter Zivilisten den Gouverneur von Ost-Rumelien und lösten die Regierung auf. Man schickte eine Mitteilung an Alexander Battenberg und schlug ihm vor, die Regierung auch in Ost-Rumelien, das so mit dem Fürstentum verbunden werden würde, zu übernehmen. Battenberg griff den Vorschlag auf, so daß die Vereinigung stattfand.
Nun konzentrierte sich die junge und unerfahrene bulgarische Armee an der Grenze zur Türkei. Serbien nutzte die Chance und griff Bulgarien nun an der geschwächten Flanke an. Die bulgarische Armee wurde an der serbischen Grenze schnell überrollt. In mehreren entscheidenden Kämpfen, von denen der größte bei Slivnica stattfand, einem Dorf 28 km westlich von Sofia, konnte die serbische Armee aufgehalten und schließlich zurückgeschlagen werden.

Der dritte Aufstand

Am 9. August 1886 wurde Prinz Alexander Battenberg, der keine Protektion des russischen Zaren genoß, von einer Gruppe pro-russischer Offiziere verhaftet, und gezwungen abzudanken. Am 25. Juni 1887 wählte die Große Nationale Versammlung den deutschen Prinzen Ferdinand von Sachsen-Coburg-Gotha zum Prinzen von Bulgarien. Die Wahl fand gegen den Willen Rußlands statt, und war daher unvereinbar mit den Bedingungen des Berliner Kongresses.
Der neue Prinz leistete gute Arbeit - zusammen mit seinem talentierten Premierminister Stefan Stambolov, der bald der "Bismarck der Balkanländer" genannt wurde, gelang es ihm innerhalb von sieben Jahren, von den Großmächten anerkannt zu werden. Möglich wurde dies nur nach der Inthronisierung von Zar Nikolaus II. in Rußland. Innerhalb eines Zeitraumes von 30 Jahren machte Bulgarien die industrielle Revolution durch und wurde die führende ökonomische und militärische Macht in den Balkanländern. Im Jahr 1908 ernannte sich Prinz Ferdinand zum Zar und rief Bulgarien zum unabhängigen Staat aus. Die bulgarische territoriale Frage blieb allerdings ungelöst.

Die Kriege mit den Nachbarn

Beim Berliner Kongress 1878 legten die Großmächte die Basis für die folgenden militärischen Konflikte. Im Jahr 1912 schmiedeten Bulgarien, Serbien, Griechenland und Montenegro ein Bündnis auf dem Balkan. Sie stimmten überein, gegen die Türkei Krieg zu führen, um die slawischen Länder zu befreien, die noch unter türkischer Herrschaft standen. Der Krieg wurde am 5. Oktober 1912 erklärt. Die bulgarischen Streitkräfte befreiten die Stadt Lozengrad und nahmen die als uneinnehmbar geltende Festung von Odrin (heute: Edirne) ein. Zum ersten Mal in der Geschichte brachte die Luftfahrt Veränderungen in der Kriegsführung. Die anderen Staaten griffen die türkischen Garnisonen an und sicherten sich die militärische Herrschaft.
Zwischen den Verbündeten des Balkans und der Türkei wurde am 17. Mai 1913 in London ein Friedensvertrag unterzeichnet. Seinen Bedingungen zufolge mußte die Türkei den Verbündeten Teile ihrer Territorien abtreten, die westlich der Linie Midia-Enos lagen. Serbien und Griechenland begannen nun mit militärischen Vorbereitungen für einen gemeinsamen Feldzug gegen Bulgarien. Am 16. Juni 1913 befahl König Ferdinand in seiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber der bulgarischen Armee, die serbischen und griechischen Kontingente in Makedonien anzugreifen. Die serbischen und griechischen Einheiten starteten eine Gegenoffensive. Die anderen benachbarten Länder nutzten die Situation aus und griffen Bulgarien ihrerseits an. Von allen Seiten unter Beschuss, konnte Bulgarien nur noch kapitulieren.
Am 28. Juli 1913 endeten in Bukarest die Verhandlungen zwischen Bulgarien und seinen ehemaligen Verbündeten mit dem Abschluss eines Friedensvertrages mit katastrophalen Folgen für Bulgarien. Die Bulgaren wurden ihrer nationalen Einheit beraubt, da die Süd-Dobrudzha (das Gebiet bis zur Donaumündung) und Makedonien verloren gingen.

Die Weltkriege

An der Seite seiner Verbündeten trat Bulgarien 1915 in den I. Weltkrieg ein, was nach dem Ende des Krieges im Friedensvertrag von Neuilly 1919 den Verlust von Ostthrakien an Griechenland mit sich brachte. Dies bedeutete für Bulgarien den Verlust des Zugangs zur Ägäis, Strumica fiel an Serbien. In den Jahren 1919 bis 1923 regierte die Bauernpartei unter Ministerpräsident Stamboliski, der 1923 ermordet wurde.
Das Jahr 1941 brachte den Kriegseintritt Bulgariens an der Seite der Achsenmächte mit sich. Man kämpfte gegen Jugoslawien und Griechenland, Thrakien und Makedonien wurden deutsch besetzt. Im Dezember folgte die Kriegserklärung an Großbritannien und USA, nicht jedoch gegen die Sowjetunion. Diese erklärte am 5. September 1944 ihrerseits Bulgarien den Krieg. Bereits vier Tage später marschierte die Rote Armee im Land ein. Die Vaterländische Front als kommunistische Organisation ergriff die Macht. Im Jahr 1946 wurde Bulgarien nun Volksrepublik und Georgi Dimitrov Regierungschef. Im Friedensvertrag von Paris 1947 wurden die Grenzen von 1940 bestätigt.

Jüngere Geschichte

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Auflösung ihrer politischen Einflußsphäre begann für Bulgarien eine Zeit des politischen Neubeginns. Der Staats- und Parteichef Todor Shivkov wurde am 10. November 1989 gestürzt, im Juni 1990 fanden die ersten freien Wahlen zur Großen Volksversammlung statt, an denen außer der sozialistischen BSP und der Bauernpartei als stärkste Oppositionsgruppe über 40 kleine Parteien teilnahmen. Die Opposition erhielt 184 Sitze, die BSP 210 von 400 Sitzen.
Wichtige politische Ereignisse der jüngeren Geschichte Bulgariens drücken die Öffnung des Landes zum Westen hin aus. Am 15. Dezember 1995 beantragte der Staat den Beitritt zur EU. Die Verhandlungen über den Beitritt zählen derzeit zum laufenden Geschäft bei der Osterweiterung der EU, die durch die Lösung des Konfliktes mit Jugoslawien 2001 starke Aktualität bekommen hat. Der vor den Kommunisten geflohene Thronerbe Simeon II. besuchte Ende Mai 1996 zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkrieges Bulgarien. Am 17. Februar 1997 faßte die Regierung Sofijanskis den Beschluss, den Beitritt als Vollmitglied der NATO zu beantragen. Am 05. September 1998 folgte die Unterzeichnung eines Dreijahresabkommens mit dem Internationalen Währungsfond (IWF). Im selben Jahr, am 10. Dezember 1998, wurde die Todesstrafe endgültig abgeschafft.
Im Jahre 2001 wählten die Bulgaren ihren Zaren Simeon II., der in der Republik offiziell mit "Herr Sachs-Coburg-Gothski" angesprochen wird, zum Premierminister.
Bulgarien ist Vollmitglied der NATO und sein EU Betritt im Jahr 2007 ist am 18.12.2004 von der Konferenz der EU Außenminister in Brüssel beschlossen worden.